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Musikalisches Hochgebirgsmassiv
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: In the Dutch Mountains (Audio CD) "So cool kann Bombast klingen"-- nein, nicht die richtige Überschrift. Auch "Kilometerfressen auf dem Kanapee" trifft's nicht ganz, und auch nicht "Wow! So schlecht können die 80er also doch nicht gewesen sein". Aber all das drängt sich auf beim Hören, denn die Nits präsentieren sich auf "In the Dutch Mountains" vielseitig und sind gefeit gegen musikalisches Gelsenkirchener Barock à la 80er Jahre. Man darf den Titel wörtlich nehmen: Musikalisches Flachland ist das hier ganz bestimmt nicht. "In the Dutch Mountains" ist nämlich ein Album, das man immer wieder hören will, weil die Musik vollgepackt ist mit eingängigen Melodien und erfreulich unprätentiösen Soli, und über allem thront unbestritten Henk Hofstedes markante Stimme. Die Bandmitglieder sind aufeinander eingespielt, das hört man, und dass dieses Album innerhalb weniger Tage eingespielt wurde, ohne jede Nachbearbeitung am Mischpult -- das glaube ich auch sofort.
Generell gilt: Am besten sind die Songs, in denen sich der Synthesizer zurückhält und ungebremster Freud' am Spiel den Vortritt lässt. Dann bekommen die Ohren nämlich Futter: Wave, Reggae und Ska lassen sich prima kombinieren, und gelegentlich zeigt der Pianist, dass ein Piano im Stil von Bar-Jazz kein Gedudel sein muss (auch sonst hat Robert Jan Stips einiges auf Lager). Daher klingen auch nur ganz wenige Songs ein wenig allzu routiniert, wenngleich auch sie nicht schlecht sind.
Insgesamt hat dieses Album nämlich jede Menge Allerfeinstes im Gepäck. Am bekanntesten ist sicher der Titelsong, der ganz einfach klingt wie Kilometerfressen auf schnurgerader Strecke, immer dem Sonnenuntergang in der Wüste entgegen... Dieser Song hat das gewisse Etwas, das alle Ohrwürmer brauchen. Aber es kommt noch besser, denn das Album hat doch tatsächlich noch besseres zu bieten, als da unter anderem wären: Das direkt anschließende "J.O.S. Days" mit restlos überzeugendem Ska-/Reggae-Einschlag. Ein entspannter, zurückgelehnter Song mit einer Mundharmonika als Sahnehäubchen, oder noch deutlicher: Das zeitlos vor Spielfreude berstende Glanzlicht des ganzen Albums! Fast dieselbe Klasse hat "Pelican & Penguin": Reggae goes Folk, und außerdem kann man hören, wie fein Rock nach Federvieh klingen kann, wenn's die Band kann. Und die Nits können's. Weitere Tipps zum Reinhören: "Two Skaters" -- anfangs ist's ein wenig zu harmoniebedürftig, aber gegen Ende sorgen die Gitarrenriffs für aufgedrehte Lautsprecher. "In a Play (das Mädchen im Pelz)" spielt nicht nur im Titel auf Vervet Underground an... Nach düsterem Intro drehen sie mächtig auf. "Mountain Jan" ist nur ein klein wenig schwächer; "One Eye Open" ist zum Zerreißen gespannt zwischen Ultra-Cool und Leidenschaft; in "Strangers of the Night" desertiert Jazz schon mal in Richtung Ska und landet in erfreulich düsterem Underground; und mit "The Magic of Lassie" beweisen die Nits, dass sie auch astreinen unpolierten Rock'n'Roll spielen können. Freilich sind am allerbesten die drei Achttausender in diesem musikalischen Hochgebirge, nämlich der Titelsong, "J.O.S. Days" und "Pelican & Penguin".
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. Oktober 2007 | | |
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